Andreas Brehmer

Kuratierte Reihe · Ursprung 2016 · Neufassung 2027 · in Entwicklung

Pavillon

Eine Wirkung

Poetisches Programm

Pavillon ist ein Ort für das, was in der Kunst nicht aufgeht im Ereignis, nicht im Diskurs, nicht im Markt, nicht in der schnellen Erklärung.

Ein Pavillon ist kein Haus. Er ist leichter, vorläufiger, durchlässiger. Er steht zwischen Innen und Außen, zwischen Schutz und Öffnung, zwischen Aufenthalt und Weitergehen. Er schafft eine Schwelle, an der etwas erscheinen kann.

Pavillon fragt nicht zuerst: Was ist Kunst? Sondern: Was wirkt durch Kunst? Was geschieht, wenn eine Stimme hörbar wird, ein Bild nicht nur gesehen, sondern erfahren wird, ein Klang einen Raum verändert oder ein Werk nach Jahren wieder gegenwärtig wird?

Das Projekt geht von der Überzeugung aus, daß Kunst keine bloße Darstellung von Realität ist. Ein Werk ist nicht nur Gegenstand. Es ist eine Wirkungsform. Pavillon sucht diese geistige und lebendige Kann-Möglichkeit.

Zum Pavillon gehört deshalb auch das Archiv. Historisches Bild- und Tonmaterial, Stimmen, Gespräche, Aufführungen und Dokumente werden nicht als museale Reste behandelt, sondern als gegenwärtige Kräfte. Das Archiv ist kein Lager. Es ist ein Resonanzraum.

Pavillon ist kein Festival und keine Themenreihe im üblichen Sinn. Es ist eine kleine, präzise gesetzte Folge von Abenden zwischen Gespräch, Archivsichtung, Aufführung und Denkraum. Jeder Abend ist eine Versuchsanordnung: ein Werk, eine Stimme, ein Archivfund, ein Film, ein Hörstück, ein musikalischer Beitrag, ein Gespräch.

Gegen den beschleunigten Kulturbetrieb setzt Pavillon Dauer. Gegen Eventlogik Gegenwärtigkeit. Gegen digitale Zerstreuung den analogen Raum. Gegen die schnelle Erklärung Wahrnehmung.

Pavillon ist ein Raum für das Fortwirken. Was vergangen ist, ist nicht notwendig abgeschlossen. Was verstummt ist, kann wieder hörbar werden. Was vergessen scheint, kann eine neue Gegenwart gewinnen.

Was wirkt weiter?

Welche Wirklichkeit öffnet sich durch Kunst?
Welche Möglichkeit entsteht im Werk?
Welche Wandlung geschieht im Betrachter, im Hörer, im Raum?

Pavillon ist eine Einladung, Kunst nicht zu konsumieren, sondern ihr standzuhalten. Nicht sofort zu urteilen. Nicht sofort zu erklären. Nicht sofort weiterzugehen. Sondern zu bleiben, bis etwas wirkt.

Werkangaben

Format
Kuratierte Reihe / Denk- und Erfahrungsraum
Ursprung
2016
Neufassung
2027
Form
Gespräch · Archivsichtung · Aufführung · Denkraum
Status
in Entwicklung

Resonanzraum

Die ursprünglich mit Pavillon verbundenen Namen stehen heute nicht einfach für eine Gästeliste, sondern für künstlerische Linien, aus denen das Projekt hervorgegangen ist: Hörspiel, Poetologie, Performance, Fotografie, Neue Musik, Film und mediales Denken.

Ronald Steckel, Wolf Otto Pfeiffer, ULAY, das Aleph Gitarrenquartett, Jan Korthäuer und Klaus Weingarten gehören zu diesem Resonanzraum. Ronald Steckel und ULAY sind heute keine möglichen Gäste mehr, sondern Stimmen, Spuren, Werke und Archivgegenwart.